Traumatherapie

Mit einer gezielten Therapie lassen sich die Folgen einer Traumatisierung gut behandeln.
Eine traumatherapeutische Behandlung gliedert sich üblicherweise in drei Phasen:

1. Stabilisierung
2. Traumabearbeitung
3. Integration und Trauerarbeit

Im Mittelpunkt der Stabilisierungsphase stehen:
Absicherung des äußeren Umfeldes: Besteht noch Täterkontakt? Wie ist mein Alltag geregelt? Gibt es unterstützende Personen im Umfeld?
Entwicklung einer tragfähigen, vertrauensvollen therapeutischen Beziehung
Wiederentdecken oder Neuerschaffen von persönlichen Unterstützungsquellen: Was kann ich besonders gut, was tut mir gut, was stärkt mich?
Vermittlung von Übungen und Methoden, die es ermöglichen, Erinnerungsauslöser zu erkennen und Flashbacks zu kontrollieren.

Imaginationstechniken und Stabilisierungsübungen helfen, emotional „die Zügel in der Hand zu behalten“. Sie wurden in Deutschland besonders durch Luise Reddemann und Ulrich Sachsse (1997) bekannt gemacht.

 

In der Phase der Traumabearbeitung kommen in Deutschland vorrangig zwei Verfahren zum Einsatz:
Traumaexposition mit Imaginationstechniken
Bei der screen- oder Bildschirmtechnik wird ein Bild des Traumas auf einen imaginären Bildschirm projiziert. TherapeutIn und KlientIn betrachten gemeinsam die traumatische Erinnerung wie einen alten Film. Ausgehend von einem Standbild mit geringer Bildschärfe werden nach und nach verschiedene Sinnesqualitäten "dazugeschaltet": Farbe, Ton, Bewegung, Gerüche, Geräusche, Gefühle. Es entsteht schließlich ein gesamter "Film", der als ein Teil der eigenen Biographie integriert werden kann.

EMDR - Eye Movement Desensitization and Reprocessing, Begründerin Francine Shapiro (1995)
Die KlientIn wird in diesem Verfahren gebeten, sich auf die traumatische Erinnerung zu konzentrieren und ein Bild auszuwählen, das repräsentativ für die ganze Erinnerung ist. Alle damit verbundenen sensorischen Eindrücke wie Gerüche, Geräusche, visuelle Bilder werden abgefragt. Nun folgen eine Reihe Augenbewegungsserien von links nach rechts und wieder zurück. Während die/der KlientIn den Bewegungen des Fingers der/des TherapeutIn vor den Augen folgt, erinnert und erzählt sie/er belastende Geschehnisse. Die traumatische Erinnerung wird so lange mit Hilfe von Augenbewegungsserien bearbeitet, bis der subjektive Belastungswert deutlich abgesunken ist. Die Gefahr zu destabilisieren ist bei EMDR relativ groß, weshalb diese Methode insbesondere bei komplex traumatisierten Menschen - wie etwa Frauen mit langjährigen Gewalterfahrungen - nur bedingt empfehlenswert ist.

 

Die letzte Phase der Traumatherapie ist eine Phase der Reintegration: Schmerz, Wut und Trauer werden verarbeitet.

Betroffene müssen sowohl in ihrem inneren Erleben als auch in ihrem sozialen Verhalten ein verändertes und neues Lebensgefühl gewinnen. Es gilt, neue Bewältigungs- und Lebensstrategien aufzubauen. Wichtig ist auch eine gute Unterstützung im sozialen Umfeld, um wieder an das Leben anzuknüpfen. Sinnvoll sind deshalb Gespräche mit Familienmitgliedern, PartnerInnen und FreundInnen.