Ursachen von Ess-Störungen
Noch vor einigen Jahren wurde Magersüchtigen pauschal
unterstellt, dass sie sich gegen ihre Frauenrolle und gegen das Erwachsenenwerden
zur Wehr setzen und hungern, um keinen weiblichen Körper zu entwickeln.
So oft diese psychoanalytische Erklärung zutreffen mag, so wenig
gibt es das schlüssige Erklärungsmodell. Ess-Störungen
haben vielfältige Gründe. Jede Betroffene hat ihre eigene Geschichte.
Und jede Fachdisziplin hat ihre eigenen Erklärungsmodelle.
Aus eher ernährungswissenschaftlicher Sicht gilt
der "Diätwahn" als Risikofaktor; das Gewicht spielt Pingpong.
Zeitschriften und Werbung vermitteln uns ein rigides Schlankheits- und
Schönheitsideal, dem ein Normalkörper nur mühsam gerecht
werden kann. Zunehmend erliegen auch Männer dem Fitnessstress, bei
Frauen und Mädchen hängt die Attraktivität seit jeher stark
von körperlichen Idealformen ab.
Wer ein geringes Selbstwertgefühl hat und sehr unsicher ist, gilt
ebenfalls als gefährdet. Körpersignale wie Sattsein und Hunger
werden überhört; Diäten geben Sicherheit.
Für sexuell missbrauchte Mädchen und Frauen sind Süchte
häufig eine Art Überlebensstrategie – auch Ess-Störungen,
die ja zwischen Sucht und psychosomatischer Erkrankung siedeln.
Familien, in denen Ess-Störungen auftreten, wirken nach außen
hin häufig sehr harmonisch. Statt Konflikte auszutragen, kehrt man
sie lieber unter den Teppich: Und die Ess-Störung der Tochter lenkt
von allem ab. Kennzeichnend ist oft auch eine extrem kontrollierende und
leistungsorientierte Atmosphäre; Magersüchtige kämpfen
um Selbstbehauptung und finden Stärke in der Kontrolle über
den Körper.
In unserer Beratung geht es um Ihre individuelle
Geschichte. Und die spielt sich meist jenseits von Modellen ab. Wir möchten
sie darin unterstützen herauszufinden, welche Ursache und welche
Funktion die Ess-Störung in Ihrem eigenen Leben hat. Danach hat sie
womöglich keine mehr und Sie können sie verabschieden.

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