Psychotherapeutische Verfahren gibt es viele, doch:
Welche ist die richtige für mich und mein spezielles Problem?

Die Krankenkassen erkennen allein die Psychoanalyse, psychoanalytisch fundierte Verfahren und die Verhaltenstherapie an.
In der Realität aber halten sich viele nicht streng an nur eine dieser Methoden. Üblicherweise arbeiten PsychotherapeutInnen methodenübergreifend. Das heißt, ausgehend von einer bestimmten Grundorientierung mischen sie einzelne Elemente zu einem persönlichen Therapiestil. Es ist sinnvoll, im Erstgespräch danach zu fragen.

Wir hoffen, dass die Krankenkassen langfristig auch Verfahren anerkennen, die sich außerdem als wirksam erwiesen haben. Gerade bei Frauen, die durch Gewalt traumatisiert sind, sind psychoanalytisch fundierte Verfahren eher nicht die Mittel der Wahl, traumtherapeutische Methoden aber hilfreich. Bei Ess-Störungen haben sich u.a. körpertherapeutische Verfahren als förderlich gezeigt.

Die Zahl psychotherapeutisch eingesetzter Methoden ist unübersehbar groß. Unmöglich, alle hier darzustellen. Doch trotzdem versuchen wir, die wichtigsten zur besseren Orientierung mit nur einem Satz zu charakterisieren und Ihnen jeweils ein Kriterium an die Hand zu geben.


Psychotherapeutische Methoden auf den Punkt gebracht

Psychoanalyse und psychoanalytisch fundierte Verfahren gehen davon aus, dass die Ursache aktueller Probleme in unbewussten Konflikten in der Kindheit liegt. Während die Psychoanalyse v.a. darauf zielt, diese unbewussten Konflikte in der Vergangenheit aufzuarbeiten, beziehen die psychoanalytisch fundierten Verfahren gegenwärtige Konflikte stärker ein.

Für die Verhaltenstherapie sind all unsere Verhaltensweisen, Gefühle und Einstellungen erlernt und sie können entsprechend auch wieder durch gezielte Übungen verlernt werden, wenn sie sich als nicht nützlich erweisen.

Humanistische Verfahren wie Gesprächspsychotherapie und Gestalttherapie richten das Augenmerk auf gegenwärtige Gefühle und Empfindungen im Hier und Jetzt. Sie gelten als Quelle für ein selbstbestimmtes, eigenverantwortliches Leben. Besonders die Gestalttherapie provoziert Gefühle, zu denen sie einen intensiven Kontakt herstellen will.

Die Feministische oder frauenorientierte Therapie gehört zu den Humanistischen Verfahren, ohne ein eigenständige Therapieform zu sein. Sie bewertet psychische Störungen bei Frauen als mögliche Antwort auf psychische und physische Verletzungen sowie soziale und sexuelle Unterdrückung, denen Frauen in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind. Störungen erscheinen vor diesem Hintergrund weniger als Defizit sondern als Überlebensstrategie.

Körpertherapeutische Verfahren verstehen die Persönlichkeit als Folge der energetischen Prozesse des Körpers. Seelische Leiden drücken sich zum Beispiel als Verspannungen aus.

Familien- und systemische Therapien sehen die Einzelperson vorrangig als Teil eines Systems (Familie, Beziehung), deren Probleme eine bestimmte Funktion in ihrem System haben.


Um "Ihrer" Methode näher zu kommen, fragen Sie sich einmal, zu welchem der nachfolgenden Sätze Sie am ehesten "Ja" sagen können:

  • Sie trauen sich zu, Ihre Erinnerungen und Gedanken frei zu äußern und sie der Deutung und Interpretation der Therapeutin/des Therapeuten zu überlassen.
  • Sie wollen in erster Linie konkret etwas verändern und weniger dringlich Hintergründe verstehen.
  • Sie wollen Kontakt bekommen zu ihrer Gefühlswelt, auch wenn die Konzentration auf Emotionen mitunter verwirrend sein kann.
  • Ihnen reicht es nicht, Ihre individuelle Geschichte zu verstehen, sie finden es darüber hinaus wichtig, Ihre Sozialisationserfahrung als Frau einzubeziehen, die sie strukturell mit Ihrer Therapeutin teilen.
  • Sie haben genug analysiert, fühlen sich Ihrem Körper jedoch weiterhin entfremdet und wollen seine „Sprache“ nutzen.
  • Sie sehen Ihre Mitmenschen als Teil Ihres Problems und wollen sie an einer Lösungen beteiligen.

Wichtiger als die Methode ist aber für Ihre Wahl vielleicht noch die konkrete Person, mit der Sie es zu tun haben werden. Da geht es auch um so Unmethodisches wie menschliche Reife und um die "Chemie".

 

Weiterführende Übersichten:

www.psychiatrie-netz.de
www.psychiatrie.de/therapien
www.psychiatrie-aktuell.de
www.medizininfo.de
www.gestalttherapie.at
www.btonline.de/psychotherapie/verfahren.html
www.therapie.de
www.frauenlernenleben.de

Literatur:

Kraiker, Christoph und Burkhard Peter (Hrsg.) (1998):
Psychtherapieführer. Wege zur seelischen Gesundheit.