Wie finde ich die richtige Therapeutin / den richtigen Therapeuten für mein Anliegen?

Erstgespräche oder sogenannte probatorische Sitzungen sind dazu da, dass Sie sich ein erstes Bild von Ihrer Therapeutin / Ihrem Therapeuten machen und Ihr Anliegen persönlich besprechen können.
Sind Sie gesetzlich krankenversichert, werden in der Regel insgesamt bis zu fünf Erstgespräche bei beliebig vielen kassenzugelassenen PsychotherapeutInnen bezahlt. Erst dann muss ein Antrag gestellt werden. Bei Privatkassen sind die Bedingungen für die Erstattung von Erstgesprächen unterschiedlich. Es lohnt sich, sich vorher informieren.
Bei TherapeutInnen ohne Kassenzulassung sollten Sie bereits telefonisch klären, wie viele probatorische Sitzungen Ihnen zu welchem Preis angeboten werden.

Diese Fragen sollten Sie sich nach einem Erstgespräch ehrlich beantworten:

  • Hatte ich ein gutes Gefühl beim ersten Gespräch und kann ich mir vorstellen, diesem Menschen auch sehr persönliche Dinge mitzuteilen?
  • Ist mir eine Frau oder ein Mann wichtig und spielt das Alter eine Rolle?
  • Hat mein Gegenüber mir zugehört, hatte ich das Gefühl, verstanden worden zu sein?
  • Wie hat die Therapeutin / der Therapeut reagiert, als ich anderer Meinung war als sie / er? Stand Verärgerung oder stand eher Interesse im Vordergrund?
  • Wurden meine Gefühle respektiert?
  • Fühle ich mich eher ermutigt und unterstützt oder eher verunsichert?
  • Wurde ich gedrängt, über Dinge zu sprechen, über die ich noch gar nicht reden wollte?
  • Fühlte ich mich durch vorschnelle Deutungen überrumpelt?
  • Ist mir klar geworden, nach welchen Prinzipien die Therapeutin / der Therapeut arbeitet?
  • Hat sich die Therapeutin / der Therapeut Zeit genommen? Sind wir im Gespräch ungestört von Telefonaten und Unterbrechungen geblieben?
  • Ist die Therapeutin / der Therapeut auch in Notfällen für mich da?

Es ist sinnvoll, sich diese Punkte schon vorher klar zu machen. Verschaffen Sie sich z.B. einen Überblick über die verschiedenen Methoden. Hilfreich ist, wenn Sie sich vor Beginn der Erstgespräche außerdem überlegen, wie detailliert Sie etwas über sich mitteilen wollen. Sie müssen nicht gleich beim ersten Kennenlernen alles erzählen, ja sollten sogar erst einmal abwarten, wen Sie da vor sich haben. Trauen Sie sich zu, Ihre Fragen zu stellen und lassen Sie sich davon nicht abbringen.

Die Therapeutin / der Therapeut sollte Ihnen gegenüber zwar einfühlsam sein, jedoch unbedingt eine professionelle Distanz wahren. Eine freundschaftliche oder sexuelle Beziehung zu Ihnen ist absolut Tabu.

Vertrauen Sie Ihrer inneren Stimme. Schlafen Sie noch einmal darüber. Überprüfen Sie Ihren Eindruck dann am nächsten Tag. Fühlen Sie sich bei einer Therapeutin / einem Therapeuten gut aufgehoben, ist eine bedeutende Voraussetzung für den Therapieerfolg erfüllt. Stellt sich in den ersten Sitzungen aber kein Vertrauensverhältnis ein und fühlen Sie sich vor den Stunden übermäßig bedrückt, sollten Sie weiter suchen.