Join
The Net II
Partnerorganisationen:
Frauen gegen VerGEWALTigung
e.V., Innsbruck/ Österreich
Der Verein arbeitet speziell zu dem Thema "Sexuelle Gewalt
gegen Frauen und Mädchen". Psychosoziale und rechtliche Beratung
für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen und deren Angehörigen;
Prozessbegleitung; Krisenintervention; Weiterbildungen für Multipkikatorinnen.
Zielgebiet ist das gesamte westliche Österreich (Tirol und Vorarlberg).
Kontakt: office@frauen-gegen-vergewaltigung.at.
Website: http://www.frauen-gegen-vergewaltigung.at.
CESIS, Lissabon/ Portugal
CESIS ist eine NGO von Forschern und Forscherinnen aus der Sozialwissenschaft.
Studien auf nationalem und europäischem Level, die sich mit den Themen
soziale Ungerechtigkeit und deren Folgen beschäftigen; Schulungsprogramme
und Trainings; Unterstützungsprogramme für sozial benachteiligte
Gruppen; Fortbildungen und Supervision für MultipikatorInnen in der
Sozialarbeit und an Schulen.
Kontakt CESIS – Centro de Estudos para a Intervencao Social:cesis.geral@cesis.org
Website:http://www.cesis.org
MTÜ Naiste Varjupaik, Frauenhaus Tartu/
Estland
Das Frauenhaus steht seit November 2005 Hilfe suchenden Frauen und deren
Kindern offen und ist das erste seiner Art in Estland. Es hat 15 Plätze
und ist 24 Stunden am Tag aufnahmebereit. Beratung und Betreuung der Frauenhausbewohnerinnen;
Seminare für Fachleute im sozialen und medizinischen Bereich zum
Thema Familiengewalt; Präventionsseminare an Schulen und in Jugendzentren
.
Kontakt: info@naistetugi.ee
Website: http://www.naistetugi.ee
Somali Women Organisation in Denmark (SWOD),
Aarhus/ Dänemark
Neben Beratung und (sozialarbeiterischer) Betreuung bietet die
Organisation niedrigschwellige Angebote für somalische Migrantinnen
in Dänemark an, um erste Kontakte zu knüpfen und damit die Grundlage
für spätere Beratungsgespräche anzubahnen. Dies sind beispielsweise
(traditionelle) Feste, Sport- und Freizeitangebote, aber auch Seminare
über Kindererziehung, Sprachkurse etc.
Ein Schwerpunktthema der SWOD ist der Kampf gegen die weibliche Genitalbeschneidung
(Präventions- und Aufklärungsarbeit).
Kontakt: ambara@wanadoo.dk
Website: http://www.somaliwomen.dk
Synthesebericht
Projektkoordinatorin: Therapeutische Frauenberatung e.V.,
Göttingen (D) - Psychosoziale Beratung für Frauen in Krisen,
Psychotherapie, Supervision, berufliche Fortbildungen, nationale und internationale
Projekte, die zur Verbesserung der Lebenssituation von Frauen beitragen.
Das Projekt JoinTheNet II folgt den Projekten “HelpTheHelper
– Gesundheitliche Folgen von Gewalt bei Frauen und Mädchen:
Erkennen, beraten, kompetent weiterverweisen” (Projekt-Nr. 02/177/WY)
und JoinTheNet/ HelpTheHelper II (Projekt-Nr 03/108/WY). Wie diese richtete
sich JoinTheNet II an MitarbeiterInnen in psychosozialen Anlaufstellen
und medizinischer Versorgung.
Die Distribution der entwickelten Kurzfortbildungen hat
zum Ziel, den Informationsstand und die Handlungsfähigkeit bei denjenigen
Berufsgruppen erhöhen, die mit durch Gewalt traumatisierten Frauen
und Mädchen potenziell in Kontakt kommen. Gewaltbedingte Krankheitsbilder
(Schwerpunkt: Posttraumatische Belastungsstörung) sollen schneller
erkannt und die Opfer von Gewalt kompetent beraten und an Fachleute weiter
verwiesen werden.
Im Vorlauf-Projekt HelpTheHelper wurden Schulungsmaterialien
zum Thema “Traumatisierung als Folge von Gewalt” erstellt,
Fortbildungen in den Ländern der Partnerorganisationen exemplarisch
durchgeführt und an die Erfordernisse der jeweiligen Länder
angepasst. JoinTheNet verbreitete die entstandenen Ergebnisse in vier
weiteren Ländern und einer Region Deutschlands und evaluierte die
Wirksamkeit. Das nun durchgeführte Projekt JoinTheNet II verbreitet
das erprobte Fortbildungsma-terial und –konzept in die Länder
Portugal, Österreich, Estland und Dänemark.
Für eine weitere Verbreitung der erarbeiteten Schulungsmaterialien
sprachen
1) Die Deutlichkeit, mit der internationale Studien
und kollegialer Austausch mit allen Projektpar-tnerInnen auf die geschlechtsspezifische
Gewaltbetroffenheit von Frauen und Mädchen hinweisen.
2) Die Tatsache, dass ein hoher Prozentsatz der Opfer
über starke psychische Belastungen nach dem Gewalterleben berichtet.
Diese haben anerkanntermaßen negative Folgen für die gesamtgesundheitliche
Situation der Betroffenen.
3) Die Kenntnis dessen, dass psychische und somatische
Folgeerkrankungen von Betroffenen selten als solche erkannt werden,
und der Blick auf einen möglichen Gewalthintergrund auch bei den
Mitarbeiterinnen psychosozialer Berufe wenig geschult ist. Stattdessen
werden Symptome häufig isoliert betrachtet und behandelt. Die Wissensdefizite
und mangelnde Sensibilität bei MitarbeiterInnen von Sozial- und
Gesundheitsdiensten behindern wirksame Interventionen und verlängern
das Leid der Betroffenen.
4) Das in den Vorläuferprojekten entstandene Schulungsmaterial
zeichnet sich aus durch sein offenes Design in Form eines ergänzbaren
Modulsystems: Inhalte des Films (DVD) können, ebenso wie die Printmaterialien
(CD-ROM) gezielt ausgewählt und zielgruppengerecht präsentiert
werden. Diese Struktur erwies sich auch für die Anpassung an Länderspezifika
als günstig und bot sich aus diesem Grund für eine weite Verbreitung
im europäischen Raum besonders an.
Die Koordinatorin und ihre PartnerInnen bereiteten das
Material während und im Anschluss an die nationalen Workshops in
der ersten Projekthälfte für ihre Regionen auf. Aktualisierte
Materialien wurden in die entsprechenden Sprachen übersetzt.
Zusätzlich wurden Dateien über Institutionen
und Einrichtungen in den Partnerländern hergestellt, die speziell
bei geschlechtsbezogener Gewalt und bei PTSD unterstützen (Beratungsstellen,
Psychothe-rapeutische Praxen, Kliniken). Die begleitende Öffentlichkeitsarbeit
hat (Fach-)Öffentlichkeiten als auch politisch Verantwortliche für
die Thematik sensibilisiert.
Die Begünstigten ziehen aus einer optimierten Arbeit
der sozialen und Gesundheitsdienste und aus der Sensibilisierung auf politischer
Ebene Nutzen.
Zwischen September 2005 und März 2006 führten
die Projektbeteiligten 51 Fortbildungen mit insgesamt 475 Personen durch,
erstellten ein Protokoll zum Verlauf jeder Fortbildung und verfassten
zusätzlich einen zusammenfassenden Bericht nach den von der Koordinatorin
vorgegebenen Leitfragen.
Die
Auswertung
Die Ergebnisse des Projekts speisen sich aus dem bi- und
aus dem transnationalen Austausch mit den Fachleuten innerhalb der Workshops
und während der Konferenz sowie aus den Protokollen und zusammenfassenden
Berichten der PartnerInnen bzw. der Koordinatorin.
Im transnationalen Vergleich haben sich die Ergebnisse
der Vorgängerprojekte bestätigt, dass hinsichtlich des Themas
beachtliche Gemeinsamkeiten unter den europäischen Partnerländern
existieren. Das betrifft sowohl das Ausmaß der Gewalt als auch den
erheblichen Mangel an Fach-wissen und spezifischen Hilfen. Für die
von Gewalt betroffenen Frauen, die in der Folge eine PTSD entwickelt haben,
ist das bestehende Netz an spezifischen Hilfsangeboten zu weitmaschig.
Die Teilnahme der PartnerInnen war in allen beteiligten
Ländern vorrangig motiviert durch den beruflichen Kontakt der Zielgruppe
mit Betroffenen. Über ganz besonders erhebliche Wissensdefizite bzw.
eine starke Handlungsunsicherheit der Professionellen bzgl. des Umgangs
mit PTSD-erkrankten Frauen berichteten die KollegInnen aus Estland und
Portugal.
Am häufigsten nahm in allen beteiligten Ländern
die Gruppe der SozialarbeiterInnen an den Fortbil-dungen teil. Hierbei
ist zu berücksichtigen, dass diese Zielgruppe in sehr unterschiedlichen
Arbeits-feldern tätig und ihre Klientel entsprechend heterogen ist.
Die zweithäufigste Gruppe der Teilnehmen-den waren PsychologInnen,
gefolgt von PädagogInnen, PolizeibeamtInnen, Pflegekräften und
Auszu-bildenden in sozialen Berufsfeldern.
Als häufigster Interessenschwerpunkt wurde in allen
Ländern die Beratungspraxis genannt, gefolgt von dem Wunsch nach
Fallbesprechungen (A, PT), Erkennen der PTSD Symptomatik (A, EST, PT),
Informationen und Daten zu geschlechtbezogener Gewalt (A), Geschichte
der Traumaforschung (EST) und neurologische Hintergründe (A, D).
Alle Partnerinnen gaben an, dass durch die Durchführung
der Fortbildungen und die Darstellung des Projektes in der Öffentlichkeit
ein erheblicher Zuwachs an Akzeptanz bzgl. des Themas Gewalterleben und
eine verstärkte Vernetzung und Kooperation mit anderen Institutionen
zu verzeichnen ist.
Von dem von uns vorgeschlagenen Grundkonzept wich einzig
die Partnerin aus Dänemark aus gegebenem Anlass ab: bei der Schulung
ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen musste zum Einen eine mögliche
Traumatisierung eben jener Personen mitbedacht werden. Zum Anderen erfordert
die Beratungspraxis für Migrantinnen einen besonderen Zugang und
damit auch einen inhaltlichen Schwerpunkt im Rahmen der Fortbildungen.
Mit den Fortbildungen ist ein dezidierter Einblick in
das Thema Traumafolgen, Behandlung, kompetente Weiterverweisung gegeben
worden, wobei die thematisierten Inhalte einen klaren Bezug zum beruflichen
Alltag der TeilnehmerInnen aufwiesen und als didaktisch sehr gut und anschaulich
auf-bereitet bewertet wurden. Es kam insgesamt zu einem erheblichen Zuwachs
an Wissen. Bestätigt hat sich wie in den vorangegangenen Projekten
die Annahme, dass die Fortbildungen für verschiedenste Berufsgruppen
geeignet sind. Durch den mehrmoduligen Aufbau des Materials war es sehr
gut möglich, den inhaltliche Präferenzen der VertreterInnen
unterschiedlicher Arbeitsfelder zu begegnen.
Insgesamt wurden sehr positive Bewertungen durch die TeilnehmerInnen
erreicht, was für eine hohe Qualität und einen hohen Nutzen
der Fortbildung spricht.
In allen beteiligten Ländern werden die Inhalte von
JoinTheNet II auch nach Ende der Projektlaufzeit weiter verbreitet.

Presseberichte
Pressemitteilung 1.3.2006 | Gewalt gegen
Frauen ist grenzenlos | Abschlusskonferenz von Fachfrauen aus Europa
Gäste aus Estland, Dänemark, Österreich
und Portugal begrüßt die Therapeutische Frauenberatung in dieser
Woche zu einer Konferenz in Göttingen. Das Treffen bildet den Abschluss
eines EU Projektes zum Thema Posttraumatische Belastungsstörungen
(PTSD) bei Frauen und Mädchen als Folge von Gewalt.
Join The Net ist der Name des Projektes und er ist
Programm. Die Therapeutische Frauenberatung möchte mit möglichst
vielen Kolleginnen in Europa ein Netz spannen gegen Gewalt. Mit den von
ihnen entwickelten Fortbildungen wollen sie Fachleute im medizinischen
und sozialen Bereich dafür sensibilisieren, dass psychische und psychosomatische
Erkrankungen bei Frauen und Mädchen durch Gewalt verursacht sein
können. "Nur wenn die Ursache erkannt wird, kann eine sinnvolle
Versorgung von Traumatisierten beginnen," sagt Projektleiterin Wiebke
Landwehr. Mit finanzieller Unterstützung der EU konnte der Göttinger
Verein seit 2004 bereits in 11 Ländern erfolgreich Fortbildungen
durchführen. Die Fortbildungsmaterialien wie DVD und CD-Rom liegen
in 10 europäischen Sprachen vor.
Die aktuelle Konferenz hat zwei Hauptziele. Neben der
Auswertung der Fortbildungen geht es vorrangig um die Planung der weiteren
Verbreitung der Projektergebnisse. Als besonderen Erfolg werten die Veranstalterinnen
schon jetzt, dass ihre dänischen Kolleginnen das Konzept an Partnerinnen
in Ghana empfohlen haben. In diesem wie anderen afrikanischen Staaten
sind Beschneidungen von Frauen der Grund massenhafter schwerer Traumatisierungen.
"Unser Material kommt gut an", freut sich die Projektleiterin.
Grund genug für sie weiterzumachen. Das nächste Projekt ist
bereits in Brüssel beantragt.

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